Beiruter Texte und Studien - BTS 126
MARTIN TAMCKE (ED.)
 
Christliche Gotteslehre im Orient seit dem Aufkommen des Islams bis zur Gegenwart
 
Beirut 2008, 224 S. dt. u. engl. Text
 
 

Was in einer Religion von Gott gelehrt wird, ist wesentlich mitbestimmt vom Kontext, in dem diese Lehre sich Gehör zu verschaffen sucht. Der jeweiligen Besonderheit einer religiösen Umwelt galt es in den von ihr vorgegebenen Verstehenshorizonten sich verständlich zu machen. Bei seiner Expansion über die Weiten Asiens und den Nordosten Afrikas stand das orientalische Christentum so unausgesprochen oder auch erklärtermaßen im Gespräch mit unterschiedlich religiös geprägten Welten. Mit keiner Religion koexistierte das orientalische Christentum so nachhaltig wie mit dem Islam und hatte seinen Platz in der vom Islam dominierten Welt zu suchen, zu bestimmen und einzunehmen. Wie sich die christliche Gotteslehre im orientalischen Christentum zunächst von der des Judentums zu emanzipieren hatte, so sah es sich nun selbst so gespiegelt in der Sicht der Muslime, die die einst christlich dominierten Regionen des Vorderen Orients eroberten und je länger je mehr als ihre Welt betrachteten. Die Faktoren, die dabei die islamische Kultur der Umwelt bestimmten, unterlagen Veränderungen. Wie die christliche Gotteslehre sich zu allen Zeiten den jeweils zeitspezifischen Herausforderungen zu stellen hatte, so galt dies auch für den Orient. Allen europäisch-amerikanischen Fehlwahrnehmungen zum Trotz reagierte die christlich-orientalische Theologie tatsächlich in je spezifischer Weise auf spezifische Herausforderungen. Die Völkermorde der Neuzeit erforderten andere theologische Aussagen als die Diskussionen am Ausgang der Debatten um die göttliche und menschliche Natur Christi in der Spätantike.

Die Beiträge eines Symposium, das sich im Rahmen des Graduiertenkollegs “Götterbilder, Gottesbilder, Weltbilder” an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität mit der christlichen Gotteslehre im Vorderen Orient befasste, werden in diesem Band zusammengeführt.

Martin Tamcke ist Professor für Kirchengeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen and Direktor des Instituts für Orientalische Kirchen- und Missionsgeschichte in Göttingen.

 
»Back